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Magazin · Die Römer

Nachbarschaft

Warum unsere Straße Römerstraße heißt

Ein Bürgermeister, eine Mauer im Wald und fünf Hektar, die seit über fünfzig Jahren ausgegraben werden.

Mittwoch, 9. September 2026 · Hotel Lamm

1972 stieß Gerd Schollian, damals Bürgermeister von Stein, im Wald über dem Dorf auf Mauerreste. Zwischen 1978 und 1981 folgten die ersten großen Grabungen, seit 1992 wird durchgehend gegraben – zu einem guten Teil ehrenamtlich.

Herausgekommen ist eine der bedeutendsten römischen Fundstätten Süddeutschlands. Fünf Hektar, umgeben von einer zwei Meter hohen Mauer. Ein Haupthaus mit Säulengang, das gegen Ende des 2. Jahrhunderts auf 48 Meter Länge anwuchs. Ein Tempelbezirk mit zehn Kapellen. Eine Mühle, ein Speicher, eine Schmiede mit zwei Essen, ein Wohnhaus, ein Eckturm.

Der Grund, warum hier so viel erhalten ist: Nach dem Mittelalter wuchs Wald über die Anlage. Kein Pflug hat je die Fundamente zerstört, keine spätere Siedlung die Steine verbaut.

Und dann war da 2011 diese Mauer. Schollian grub im Winter einen kleinen Wall an und traf auf Mauerreste. Was Archäologen fanden, war eine komplett am Stück umgestürzte Wand von einst 16 Metern Höhe – vermutlich zu einem Lagergebäude von 35 mal 20 Metern gehörig. Römische Architektur auf dem Land war offenbar sehr viel größer, als man dachte.

Seitdem steht die Frage im Raum, ob Stein nicht mehr war als ein Gutshof. Manche vermuten hier die verschollene Stadt Solicinium.

Übrigens: Im Asterix-Band Der Papyrus des Cäsar hat der Zeichner Didier Conrad sich für eine römische Villa das Hauptgebäude von Stein zum Vorbild genommen.

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